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Teufelssee und Müggelberge in Berlin Köpenick



Der Teufelssee

Es gibt auch einen Westberliner Teufelssee im Grunewald. Den solltä man auch mal beschreiben, nech.. aber hier ist der Ost - Teufelssee dran. Kost the Ost!

Dieser runde, kleine See liegt am Fuß der Müggelberge auf deren Nordseite. Sein dunkles Wasser ist mit Pflanzen, unter anderem Seerosen bewachsen. Er ist völlig still, weil er mitten im Wald liegt und selten ein Windstoß über das Wasser fegt. Auf einer Seite geht er in ein Hochmoor über, wo die Bäume auf ihren Wurzeln stehen wie Häuser auf Pfeilern. Viele Farne wachsen dort. Die Sumpfseite ist mit einem Holzsteg bebaut, der am Rand des Sees durch den Sumpf führt. Der See sieht aus wie ein großes, dunkles Auge. Wunderschön ist es, zu einer Zeit wo wenige Spaziergänger unterwegs sind (direkt daneben ist ein Naturlehrpfad und ein Wanderweg) sich auf den Steg zu setzen, wo du direkt über dem See sitzen kannst. Für Rituale gibt es keinen großen Platz, aber oberhalb des Sees gibt es im Laubwald der Müggelberge schöne Lichtungen. Dort bin ich auch mal über Reste einer Walpurgisfeier gestolpert.
Rabe
Der Name "Teufelssee" sagt schon, daß dort früher einmal ein vorchristlicher Kultort war. Moore und dunkle Seen sind Stellen, an denen oft Kultorte lagen - die Kelten zb versenkten goldene Gegenstände in Mooren und Seen. Der Brauch, eine Münze in einen Brunnen zu werfen, ist noch ein Überbleibsel der Quellen- und Seenverehrung. Vielleicht kannst du einen Ring oder eine Silbermünze in den See werfen.. wie es in vielen Märchen noch ein Motiv ist.


Um den Teufelssee rankt sich eine Sage, daß eine Prinzessin mit ihrem Schloß dort versunken ist, die jedes Jahr in der Johannisnacht aus dem See steigt und die gelben Seerosen an den Saum ihres schwarzen Kleides steckt.
Vielleicht ist es nur ein Märchen.. Aber wenn wir daran denken, daß Märchen und Sagen verschlüsselte Elemente der alten Religion enthalten, sieht die Sache schon anders aus..Bestimmt war der See einer Göttin geweiht, die noch in der Gestalt der Prinzessin erkennbar ist. Denkt dran: Jeder See hat seine Dame...
Noch eine Geschichte vom Teufelssee: Am Teufelssee verliebt sich ein Mädchen in einen schönen Wassermann, der sie täglich am Ufer mit Süßigkeiten versorgt. Als die Eltern das Kind gewaltsam nach Hause holen, erkrankt das Mädchen und stirbt vor Sehnsucht nach dem geliebten Wasserwesen.
Die erste bekannte Siedlung in der Nähe war "Copnik" - ein slawisches Dorf. Der Name kommt von "kopa" = "Erdhügel". Sie entstand im 7. Jahrhundert n.Z., vorher waren sicher auch Nomaden in der Gegend, die sicher die Orte um die Müggelberge herum kannten.

Die Müggelberge


Distel in den Müggelbergen, Bild © Morgana

Die Müggelberge umschließen eine Fläche von 7,4 Quadratkilometern. Der kleine Müggelberg mit dem Müggelturm erreicht eine Höhe von 82 Metern, der große Müggelberg eine Höhe von 115 Metern. Entstanden ist das Massiv im Pleistozän. Bemerkenswert ist seine Gestalt, worüber Fontane schreibt:

"Diese machen den Eindruck eines Gebirgsmodells, etwa als habe es die Natur in heiterer Laune versuchen wollen, ob nicht auch eine Urgebirgsform aus märkischem Sande herzustellen sei. Alles en miniature, aber doch nichts vergessen. Ein stock des Gebirges, ein langgestreckter Grat, Ausläufer, Schluchten, Kulme, Kuppen, alles ist nach Art einer Reliefkartevor die Tore Berlins gelegt... Die West- uns Ostkuppe gestatten die weiteste aussicht in das Land hinein. ... Nach Westen zieht die Spree den Müggelsee wie einen breiten Spiegelkristall an ihrem schmalen blauen Band auf, nach Osten buchtet sich die Dahme immer weiter und breiter landeinwärts und schafft Inseln und Halbinseln, so weit das Auge reicht. Auf Quadratmeilen hin nur Wasser und Wald..., das verwirrende Flußnetz, das sich durch die scheinbar endlosen Forstreviere zieht."

Und weils so schön war, gleich noch zwei Zitate von Fontane:

" Die Müggelberge sind alter historischer Grund und Boden und waren schon das "hohe Schloß" dieser Lande, lange bevor die Wendenfürsten in die Spreegegenden kamen und lange bevor sich Brennibor an der Havel erhob. In vorslawischer Zeit, in Zeiten, die noch keine Burgen kannten, waren sie die naturgebaute, wasserumgürtelte Veste, die von germanischen Häuptlingen jener Epoche bewohnt wurde- der Sumpf ihr Schutz, der Wald ihr Haus."

Über den Müggelsee weiß Fontane folgendes zu berichten:

" Die Spree, sobald sie sich angesicht der Müggelberge befindet, bildet oder durchfließt ein weites Wasserbecken: die Müggel oder den Müggelsee, der mit zu den größten und schönsten unter den märkischen Seen zählt."

Über die Unberechenbarkeit des Sees (vorallem in den Abendstunden) , welcher schon manches Menschenleben kostete schreibt er:
" Die Müggel ist bös. Es ist, als wohnten noch die alten Heidengötter darin deren bilder einst die Hand der Mönche von den Müggelbergen herab in den See warf. die alten MÄchte sind besiegt, aber nicht tot, und in der Dämmerung steigen sie herauf und denken, ihre Zeit sei wieder da."

Die Dämmerung zu nutzen ist vielleicht nicht mal schlecht, da durch die Stadtnähe doch einiges an Volksmassen in dem Naturschutzgebiet herumläuft.. Doch das Gebiet ist sehr groß, und selbst an einem Sonntagnachmittag ist es möglich, irgendwo ein ruhiges Plätzchen zu finden. Während sich auf den Bergen und an den Seen die meisten Spaziergänger bewegen, könnte man sich in den Wald am Fuß der Berge zurückziehen (wo kaum Menschen sind) um dort zu meditieren oder ein Ritual abzuhalten und vorher oder nachher auf die Müggelberge klettern und den See besuchen.

Wunderschöner Laubwald bedeckt die Müggelberge, und es gibt auch ein paar Ecken, wo keine Wanderwege sind.. du kannst dich auch halbwegs auf Trampelpfaden bewegen, die manchmal kaum mehr zu sehen sind. Auf der Nordseite, auf dem Hang über dem Teufelssee gibt es eine uralte Eiche, die vielleicht etwas verunstaltet ist, da sie leicht vom Blitz angeschlagen ist und ein Ast gestützt werden muß.

Am besten weichst du der Straße aus und dem Sendeturm (auch darüber gibt es eine Sage.. Es heißt, dort stand früher ein Gebäude, von dem aus die Stasi in die Weite horchte..Nein, Stasi ist keine Göttin!)auf dem höheren Müggelberg. Der Piste der Cross-Country-Biker. Und dem Touristenziel Müggelturm. Dann sollte der Suche nach dem Lieblingsort in den heiligen Bergen nichts mehr entgegenstehen.

Anfahrt: Mit dem Bus zur Haltestelle "Rübezahl" am Müggelheimer Damm in Köpenick fahren.


Text: distel (at) spiritvoices (punkt) de