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Ortstagebuch

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Äquinox - 24.9. 2005

Wenn irgendwas über dieses Fest im Wald gesagt werden kann, dann daß das Timing absolut perfekt war, wie sich das für ein Fest, an dem Tag und Nacht ausgewogen sind, auch gehört. Die Feuerstelle war schon besetzt von einer grillenden Family als wir kamen, aber erfahrungsgemäss gehen die am frühen Abend eh nach Hause, so daß wir uns keine Ersatzfeuerstelle suchen mussten. Stattdessen wurde erstmal der Hunger gestillt (Warum kommt man eigentlich am Festplatz immer total ausgehungert an? Wird wohl am langen Fußweg liegen) und dann die Labyrinth-Illumination vorbereitet. Total ideal und sehr günstig herzustellen: Windlichter mit Backpapier. Man nehme 1 Rolle Backpapier, und schneide einen Streifen ab, wickle diesen um ein Teelicht und fixiere das ganze mit Tesafilm unten. Das Teelicht sollte rausnehmbar und wiedereinsetzbar bleiben, zum Anzünden muß es nämlich im Papierkragen hochgeschoben werden sonst fackelt man jenen ab. die Krägen falten wir nur noch schön und können sie ohne weiteres in einem Briefumschlag zum Einsatzort transportieren.
Das Labyrinth wurde diesmal von ca. 60 oder mehr Teelichtern erleuchtet. In der Mitte entstand spontan ein Kreis aus 6 großen Papierwindlichtern mit Kraftsymbolen drauf. Alles ohne Absprache, es war einfach perfekt!

Fotos können das gar nicht einfangen, es war einfach nur wunder- wunderschön!



3. September 2005

Heute war ich wieder mal da, und es ist wunderschön, das Labyrinth. Nix ist kaputt, alles ist heil - und in der Mitte der Mini-Altar unversehrt. (Ist seit Mittsommer nichts dazugekommen, aber auch nichts verschwunden). Den Bergkristall, den einmal jemand da hinterlassen hat, habe ich dringelassen, aber den Anhänger und die Federn und eine Koralle habe ich sicher vergraben. In der Nähe im Wald lagen nämlich frische Glasscherben von zerschossenen Bierflaschen. Eine Dose mit Einschusslöchern lag da auch. Ich hatte jetzt nicht direkt Schiss, nein, aber ich finde das nicht schön, so Dreck zu machen im Wald, indem man auf Flaschen und Dosen schiesst. Und darum hab ich den Anhänger sicherheitshalber vergraben, auch weil ich die Frau die ihn reingelegt hat sehr mag.

Altweibersommer. Durch die warme sonnige Waldluft flirren silberne Spinnenfäden. Rauch-Geister ziehen übers Labyrinth:

Übrigens hab ich noch ein bischen weitergemacht mit dem Umbau, und die zwei Steine wo die meisten Ameisen drunterwaren doch versetzt. Das ging aber ganz gut, innerhalb von einer kurzen Zeit hatten sie die Larven halt die kurze Strecke geschleppt und unter die versetzten Steine wieder drunter gepackt.

18. Juni 2005

Ich war heute nochmal da, und der Umbau hat dem Labyrinth nicht geschadet. Dabei war ich letzte Woche noch so unsicher. Das ist wie mit dem Riechen: Zuviel riechen und man riecht nix mehr. Dann muss man ne Pause machen :) und nach der Woche Abstand fühlt es sich doch echt gut an. Aber mit dem Weiterarbeiten daran wird nix: Baustopp wegen Kinderstubenschutz für Dutzende von Ameisenvölkern.



12. Juni 2005

Es wird umgebaut. Ja, also.. das ganze kam so, daß ich seit ich im November oder so letzten Jahres wegen dem Feuer vom Wald-Pyromanen die Mitte des Labyrinths etwas vergrössern musste/sollte/konnte/wollte, war das ganze nicht mehr ganz so "rund". Und ich möcht eigentlich daß es wieder "rund" wird, daß es halt auch erhalten bleibt und nicht so langsam immer versackter wird. In der Mitte ist auch als einzige Stelle kein Grasbewuchs, und als einziges zwei Reihen Steine übereinander. Während jetzt im Sommer die alten Steinreihen schon halb im Boden versacken. Ich hab also angefangen den "Sackgassenumgang" wegzunehmen, der durch die Mittenvergrösserung entstanden ist, und dadurch war die letzte "Bahn" innen viel breiter als alle anderen Wege. Das konnte dann auch nicht so bleiben, und dann hab ich quasi die inneren beiden Bahnen etwas versetzt und auch mit zwei Reihen Steinen übereinander gemacht. Dann hab ich gedacht, mensch wenn du schon dabei bist, eigentlich sind die Wege ganz schön eng, und wenn du jetzt auf die versandeten alten Steine eine zweite Steinreihe aufsetzt, kommt man allein vom durchlaufen schon fast ständig ins drauf herumstolpern, also müssten die ganzen über die Jahre schief und krumm gewordenen, im Boden versandeten Steinreihen wieder "grade" gemacht, und so versetzt werden daß die Wege (wieder) einigermassen begehbar sind.
Ganz Anfangs war auch der äusserste Zirkel vom Labyrinth direkt an der einen Birke, und über die Zeit (Zerstörung von Teilen durch Säue und Vandalismus, Wiederaufbau) ist sowieso die linke äussere Kreislinie zu weit nach innen gewandert.
Also, halb fertig ist es und es schaut noch nicht wirklich schön aus - aber vielleicht können wir ja während des Sommersonnenfestleins ein wenig zusammen dran rumschrauben - daß es in neuem Glanz erstrahlt.


Bild: aktueller Status quo

Ein paar Ameisenvölker mussten umziehen - allerdings. Das hat mir auch nicht grad Spaß gemacht die Tierchen zu stören, aber die Natur ist eben auch ab und an grausam und gemein, auch wenn sie in Menschengestalt auftritt. Ich hab das Ganze dann mit Rasseln und Singen wieder besänftigt, und die Unsicherheit ob es richtig war, den Umbau/Renovierungsarbeiten zu machen, ging etwas weg als sich vor meinem halb weggetranceten Auge die Steinreihen zu einer Art Schlangenleib formierten. Wie schön das doch wäre, das Ganze mit Lehm zu überziehen und mit kleinen Tonscherben zu bekleben, daß eine runde, rote Schlange im grünen Gras sich durch den Wald windet! *Seufz*

Das Gelände ist allerdings sehr sandig/Waldhumus/Steine, und die nächste Stelle wo man Lehm abgraben könnte ist jetzt aus dem Kopf mehr als 100 Meter entfernt, wobei eine befahrene Bahnlinie samt Bahndamm zu überklettern wäre. Stressig! Falls also jemals die Aktion Lehmschlange aktuell würde.. bräuchte ich: MitstreiterInnen, eine Lehmgrube möglichst nahe, und man müsst anfangen Tonscherben (viele viele Tonscherben) zu sammeln und diese immer wenn man hingeht irgendwo ablagern. Und eben auch Wasser, was es vor Ort nicht gibt. Naja, die Lehmschlange wird wohl noch ein Traum bleiben..

21. Mai 2005

Lange keinen Eintrag mehr gemacht. Das Labyrinth hat das letzte Jahr nicht nur gut überstanden, sondern wird immer noch genutzt und gesegnet und mit Kraft gefüllt. Letzten Herbst habe ich das Zentrum ein klein wenig umgebaut, so daß mehr Platz in der Mitte ist.

Das ergab sich aus der Notwendigkeit, ich kam eines Novembertages an und fand eine Rauchsäule in der Mitte aufsteigen. Ein alter Mann mit weißem Bart, der Platanenrinde statt Tabak aus einer Pfeife rauchte und offenbar die hiesige Pyromanenfront repräsentiert, lud mich an ein lustig prasselndes Feuer mitten im Labyrinth ein. Zum Glück hatte ich Kaffee und Kuchen dabei, dies und unsere Unterhaltung überzeugten den Alten, daß das Labyrinth doch erhaltenswert sei und mitnichten zu einer Feuerstelle umgebaut gehört. Spontan habe ich also das Zentrum so rekonstruiert, daß das Feuer darin Platz hatte, und die Umgänge noch funktionieren. Dadurch ist eine Sackgasse beim Raus- aber nicht beim Reingehen entstanden, aber in dieser Sackgasse kann frau rund um die Mitte stehen.

Labyrinth November


Nachdem der wenige Winterschnee dann übers Labyrinth hinweggezogen war, nach einem schönen spontanen Imbolc-Ritual, und einigen anderen Besuchen, fand ich heute einen Bergkristall-Trommelstein in der Mitte, um den ein Dreieck aus Backsteinen gelegt war. Reste einer Räucherung mit Lavendelblüten waren auch da. Der Backsteinbau in der Mitte wurde dann von mir spontan durch ein kleines Naturkunstwerk ersetzt, und zwei Korallenäste und Fliederblüten gesellten sich zu dem Kristall.

Labyrinth Mai    Distel am Bäumeklettern


Und ein paar Runen auf einen Stock geschnitzt, Fehu und Laguz, so ganz bin ich ja nicht so die Runenexpertin, daher mach ich sowas dann halt nach Gefühl und spontaner Eingebung.

Ich finde das mit dem Bergkristall klasse. Daß das Labyrinth kein "Ego-Shooter" geworden ist, sondern auch Andere dort was machen. Sich reinsetzen, was räuchern, bissel meditieren.. Es gibt ja diese Esoterik-Heinis, die in Bezug auf "ihren Ort" alles besser wissen und sich beschweren daß andere Leute mit den "Energien" Unfug treiben würden, oder den Ort "stören". Ich kann mich wirklich nicht beklagen, daß Leute den Ort stören würden. Er ist ja ziemlich versteckt, auch wenn die, die mich nach einer Wegbeschreibung gefragt haben, diese auch erhalten. Seit langer Zeit hinterläßt niemand mehr was Eßbares darin, und deswegen graben die Wildsauen auch die Mitte nicht mehr um :-), und ich finde, das Labyrinth wird wenn, dann auf eine respektvolle und gute Weise genutzt.

Jana hat auch schöne Fotos gemacht vom Labyrinth, die ich hiermit aus ihrem Weblog klaue:

Janas Bild vom Labyrinth am Abend

Halbmondin in den Birken

10. Juli 2004

Der Wald ist üppig grün. Die Pappeln am Weg rauschen wie immer, und es steht alles noch - aber ich habe feststellen müssen, dass wir im Mai (oder wars wer anders) beim Wiederaufbauen des wieder zerstörten Labyrinths einen Weg falsch geschlossen haben, und scheinbar ist es seither nicht begangen worden - in der Mitte des Labyrinths sind Feuerreste, d.h. ein Teppich schwarzer Holzkohlestückchen von Zweigen und Asche. Die Leut müssen also direkt reingegangen sein zur Mitte - sonst hätten sie das mit dem falsch geschlossenen Umgang bemerkt. Ich hab das mal korrigiert..

Mit meiner Rahmentrommel bin ich rein und habe das Ganze singend neu eingesegnet. Ich mache das manchmal so aus dem Bauch raus dass ich selbst nicht weiss was gerade wirklich passiert. ;-)
Normalerweise mach ich sowas ja ungern wenn ich alleine da bin und nicht weiss wer sich noch im Wald rumtreibt, aber vielleicht wird hex auch einfach abgebrühter mit der Zeit. Am Tag hats geregnet, aber jetzt am Abend ist es schön geworden und die Sonne scheint noch schräg durch die Bäume.

Jetzt ist das Labyrinth schon über zwei Jahre alt. Und es wird immer noch besucht auch von Leuten die ich vielleicht gar nicht kenne. An dieser Stelle mal einen Gruss an Alle, die dort waren und die ich kenne und nicht kenne! Übrigens, irgendjemand hat eine Makro-Markt-Tüte und ne leere Heringsdose liegen lassen. Das muss nicht sein! Was ganz gut ist, dass in der Mitte keine Lebensmittel mehr zurückgelassen werden, seitdem wühlen die Schweine auch nichts mehr rum da.


Bild: Mit Fotoshop-Effekt "Diffuse Glow" belegt (Gegenlicht war aber eh da) und mit dem Farbregler verkitscht. *g*
23. Januar 2004
  

Heute ist richtig schönes Wetter. Und Schnee liegt. Schweinekalt aber. Vor dem Losgehen hatte ich einen Zitronentee gekocht, und den in meine Thermoskanne gefüllt. Wegen den vereisten Wegen fuhr ich diesmal mit der U-Bahn. Vor dem Pappeltor in der Ruine stand ein älterer Herr und verbrannte Papier. Ein seltsames Bild. Mir kam ein junger Mann entgegen, und ich ging über den knisternden Schnee weiter bis zu der Birke und dem Holunder. Dort sah ich dass die Fussabdrücke des Mannes geradewegs in den Wald zum Labyrinth führten. Er war tatsächlich drinnen gewesen und hatte es einmal durchwandert. Was eine Schneedecke alles verraten kann..
Mir hat das gefallen, der Gedanke dass das Labyrinth auch von Anderen genutzt wird. Es ist schön zu wissen, dass andere Menschen es kennen und seit fast zwei Jahren keiner es für nötig gehalten hat, seine Agresssionen daran auszulassen oder es kaputt zu machen. (Gut, mit einer Ausnahme). Im grossen und ganzen wird der Ort respektiert.

Diesmal musste nichts repariert werden, alle Steine lagen da wie eh und je. Ich fand das praktisch, die festgefrorenen Dinger hätte ich ohnehin nicht bewegen können. Ich ging einmal den Weg nach Innen - jedes Mal ist es ähnlich und dann doch anders. Vom Mittelpunkt aus bin ich die Säule zwischen Himmel und Erde. Manchmal erscheint es mir wie ein Miniatur-Spiralhügel.

Auf dem Rückweg sah ich nach was der alte Mann verbrannt hatte. Kontoauszüge. Seltsame Gegend..

Nachtrag: Über mysteriöse Kanäle *gg* habe ich erfahren, von wem die Fussspuren sind.. sie waren nicht von dem jungen Mann, sondern von einer Wanderin, die kurz vor mir dort war..

2. Januar im Labyrinth

du bist wia die wintersunn
(ambros / prokopetz)

du bist a tropfen wasser in der wüste
ein goldstück unter steinen
du bist wia a hand
die aus dem dreck mi aussezaht

du bist wie a samen
der in mir keimt
du bist wie die wintersunn
die nur an manchen tagen scheint

du bist wia a biüld
des i net lang g“nua anschau“n kann
und du bist als wie a lied
des i hör und net versteh

du bist wie a gedicht
des sich leiwand reimt
du bist wie die wintersunn
die nur an manchen tagen scheint

du bist wie a samen der in mir keimt
du bist wie die wintersunn
du bist wie a gedicht
des si leiwand reimt
du bist wie die wintersunn
du bist wie a schatten
der von irgendwo kummt
als wie a uhr die stehnblieb“n is

du bist wia a brille durch die i alles rosa seh“
du bist wia die meeresbrandung
die an die felsen scheint
du bist wia die wintersunn
die nur an manchen tagen scheint

du bist wia die wintersunn
die nur an manchen tagen scheint

du bist wia die wintersunn
die nur an manchen tagen scheint

du bist wia die wintersunn





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