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Havelländisches Luch


 

Dieses wunderschöne Feuchtgebiet ist ein Brutgebiet seltener Vogelarten. Hier leben die einzigen Großtrappen West- und Mitteleuropas, der scheue Kranich hat hier sein Refugium gefunden, Wildgänse statten im Frühjahr und Herbst regelmäßig dieser Gegend einen Besuch ab, Kiebitze und Reiher kommen zahlreich. Aus diesen Gründen sind Teile des Havelländischen Luchs vom 1. März bis zum 31. August für jeglichen Zutritt gesperrt.

Ein paar geschichtliche Daten zu dieser Gegend: Das Havelländische Luch gehört zum Naturpark Westhavelland, welcher zu den gewässerreichsten Regionen Deutschlands gehört. Die im Mecklenburgischen entspringende Havel mündet nach rund 345 Kilometern Lauf bei Havelberg in die Elbe und ist die Lebensader des Westhavellands. Hier gibt es das größte zusammenhängende Feuchtgebiet im Binnenland des westlichen Mitteleuropas, welches im Rahmen der Ramsar-Konvention 1998 unter internationalen Schutz gestellt wurde. Zusammen umfaßt es auf brandenburgischem und sachsen-anhaltinischem Gebiet 58 Quadratkilometer.

Der Naturpark Westhavelland selbst ist 1.315 Quadratkilometer groß und ist vor allem durch die Weichselkaltzeit, die vor über 10.000 Jahren endete, geprägt. Mächtige Gletschermassen und Schmelzwasserströme formten die Landschaft: Endmoränenzüge, Grundmoränen, Sanderflächen und breite Urstromtäler, in deren tiefen Lagen das Havelländische Luch als eines der Moor- und Sumpfgebiete entstand.

Im 7. Jahrhundert siedelten sich die slawischen Stodoranen im Gebiet des heutigen Havellandes an, die auch nach der Havel Heveller genannt wurden. Mit der Eroberung 1157 durch Albrecht den Bären kamen Siedler u.a. vom Niederrhein (Rhin: ndtsch. Rhein). Seit dem 18. Jhd. wurde das zu großen Teilen sumpfige Land durch, Deiche, Schöpfwerke, Wehre, Gräben und die Verlegung der Havelmündung zunehmend entwässert.

Das Grundwasser steht natürlichweise sehr hoch, weshalb davon abzuraten ist, an Regentagen hier herumzulaufen, es sei denn, jemand findet großen Gefallen daran, fast bis zu den Knien im Torf zu stehen. :-) Riesige Pappeln geben dieser flachen Landschaft eine besondere Ausstrahlung. Nebel sind hier sehr häufig. Schnell steigt er in der Dämmerung nach oben und kriecht in Richtung der Dörfer, die dieses Gebiet wie ein Ring umschließen. An solchen Tagen scheint es, als wäre der See aus der Anderswelt, wo er zweifellos noch vorhanden ist, in unsere Dimension gewandert... Zahlreiche, fremdartig anmutende Geräusche klingen dann über das Land. Hier ein flattern, dort ein Rascheln, jedoch die Stille ist greifbar. Und sie setzt sich fort, hüllt die Gegend ein wie in eine schalldichte Käseglocke. Der Atem des Luchs geht ruhig und beständig, die Macht schöpft sich aus den Tiefen empor, ist durchdringend, unnachgiebig und nährend. Ich habe schon manche Opfergabe dortgelassen, egal, ob ich einen Wunsch aussprach oder einfach nur von dem Gefühl beherrscht wurde, an meinen besonderen Plätzen etwas dazulassen. Meist werde ich begleitet von Greifvögeln, Raben und Krähen.



Hels Luch




Dieses Gebiet verlangt eine Menge, der schier unersättliche Schlund der Hel verschlingt gierig, hat manch Lieblingssachen zu sich genommen. Aber genauso freigiebig ist das Luch wieder. Auf langen Wanderungen, die jedes mal in schamanische Reisen ausarten, finden sich Unmengen wunderschöner Federn von Krähen, Raben und Greifen, bizarr geformte und gefärbte Schneckengehäuse sowie Knochen von allerlei Getier. Der Drang, bestimmte Baumgruppen aufzusuchen ist meist so mächtig, daß sich dem niemand zu entziehen vermag. Sobald Du diesen Drang negierst, stehst Du plötzlich vor Gräben, die Dich in die verlangte Richtung zwingen, und sobald Du dort anlangst, wird Dir klar, wieso dies so wichtig war. Meist findet sich dort ein Objekt der Begierde, welches schon seit Ewigkeiten Deiner harrt und nun endlich mitgenommen werden möchte.

Wünsche, ja... Wünsche, das ist so eine Sache. Sie sollten gut überlegt sein. Wasser ist ein guter Träger, und hier stehst Du mitten auf dem Wasser, ohne daß dies gleich bewußt wird. Hast Du eine Affinität zu dieser Gegend, nimmt Dir das Luch den Wunsch ab. Denn sobald Du zum Beispiel bestimmte Runen, eingeritzt in einen Ast, an einem schönen Baum hinterläßt, einfach nur, um Freunden zu demonstrieren, wie man in freier Wildbahn Nachrichten hinterlassen kann, scheinen diese schon zu wirken. Deshalb sollte der genaue Wortlaut des Wunsches schon im Hinterkopf vorhanden sein. Die Magie des Luchs scheint ständig den Wunsch in die Wirklichkeit zu weben, selbst wenn Du ihn noch nicht einmal ausgesprochen hast, weil Du ihn mit einem netten Ritual verbinden wolltest. So kann es daraufhin nämlich passieren daß eine Lieblingssache im Luch verlorengeht, ohne daß Du es zu diesem Zeitpunkt bemerkst, quasi als vorgezogene Opfergabe. Und ehe Du es Dich versiehst, fängt es an zu wirken, breitet sich aus, hüllt Dich ein. Das kann bei einer mangelnden Wegweisung unter Umständen auch in die Hose gehen, um es einmal hübsch direkt auszudrücken.

Ich rate davon ab, dieser Gegend im Rahmen von Kraftplatztourismus einen Besuch abzustatten. Abgesehen davon, daß diese Gegend sowieso eine recht lange Zeit gesperrt ist, gibt es diverse Möglichkeiten, wie diese Ausflüge enden. Die erste: Das Luch stellt sich langweilig, stürmisch oder unangenehm dar. Die zweite: Es läßt sich gar nicht erst finden, sobald Du auf dem Weg dorthin bist. Die dritte (Vorsicht, das ist die fieseste Variante): Du verläufst Dich. Das erscheint auf den ersten Blick unmöglich, ist es aber nicht ;-)

Luchgalerie


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