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Das Labyrinth von Berlin

Es ist eine Landschaft, wie Luisa Francia sie beschreibt: ein urbanes, modernes Niemandsland. Ehemals verlief hier eine Bahntrasse. Sie ist inzwischen aufgelassen, aber der Damm ist noch da, ebenso wie einige Ruinen von Klein- und Kleinstbauten, heute "Pennerlauben" genannt und mit Graffiti verziert. Heute erobert sich die Natur diese Brache zurück: Birken, Holunder, wilde Rosen und andere, teilweise in der Stadt selten anzutreffende Pflanzen haben sich angesiedelt.

Den Bewuchs kann man überwiegend als Gestrüpp bezeichnen, mit kleinen bewaldeten Arealen dazwischen. Diese werden von verschiedenen Gruppen gerne genutzt: man kann hier Wildschweine, picknickende russische Familien, feiernde Jugendliche, Rollenspiel-Gruppen und Rituale feiernde Frauen antreffen. Wildnis in der Stadt eben, irgendwo im Osten von Berlin, abseits aller Wege in einem kleinen baumbestandenen Abschnitt dieser halburbanen Landschaft.

Hier haben Frauen ein Labyrinth errichtet, einen heiligen Ort inmitten einer durch Plattenbauten und vierspurigen Strassen verwüsteten Gegend, den die Natur sich jetzt zurückholt (und das geht ganz schnell, schliesslich gewinnt sie immer, da sie am längeren Hebel sitzt). Ein Ort für Rituale, heidnische Feiertage, zum Rückzug, wo die Seele Luft holen kann. Verwendet wurden herumliegende Backsteine, die in Form des berühmten Labyrinths von Kreta auf den Boden gelegt wurden. Das Labyrinth ist nicht groß, der Durchmesser beträgt ca. 6 Meter, aber es wirkt auf seine Weise beeindruckend, als gehöre es dorthin und wäre schon immer dagewesen. Man kann sagen, dass die Natur es sich ein stückweit einverleibt hat: die Steine sind ein wenig eingesunken und vom Gras umwachsen, was einen sehr homogenes Gesamtbild ergibt.

Selbstverständlich ist das Labyrinth begehbar, dafür ist es schließlich da. In der Mitte ist Raum für kleine Opfergaben, die dort abgelegt werden und am Rand laden abgesägte Baumstämme zum Sitzen und Genießen ein. Die Atmosphäre dort ist irgendwie anderweltlich: man nimmt den Lärm der nahegelegenen Auto-Rennstrecke (hierzulande nennt man es Durchgangsstraße) kaum wahr, wenn man sich im Labyrinth befindet, sogar gar nicht mehr, denn dann betritt man eine andere Ebene der Wirklichkeit und die Anderswelt ist greifbar nahe, wenn nicht sogar da.

Das Labyrinth wird regelmäßg gepflegt: heruntergefallene Äste werden entfernt und einmal musste das Zentrum nach einer Vandalenattacke rekonstruiert werden.

Damit sich noch viele Menschen an diesem Ort der Stille und der Kraft erfreuen können, gibt es an dieser Stelle keine Wegbeschreibung. Es kann in niemandes Sinne sein, dass das schöne kleine Labyrinth überrannt wird Wer es aufsuchen möchte, wende sich bitte an folgende e-mail-Adresse:




Text von Rave - Freistilmagie