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Eine heilige Gegend...

„Climbing up on Solsbury Hill...“

Nein, auf dem Solsbury Hill war ich nicht. Ich hatte mir zum Geburtstag den Ausflug zu den „Hünengräbern“ gewünscht. Lange, sehr lange schon wollte ich da wieder einmal hin. Als Kind, weiß ich noch, hielt ich immer Ausschau nach „dem“ Hünengrab, dem einzigen, von dem ich wusste. Dem an der Straße zwischen Wismar und Grevesmühlen. Da überkam mich ein wohliger Schauer, wenn ich aus dem Fenster von Auto oder Bus dann – endlich! - die große Steinsetzung erspähte. Später dann war ich erstaunt, dass es in der Gegend noch mehr gab. Und heute staune ich, dass die Gegend voll Megalith-Bauten und Hügelgräbern zu sein scheint – irgendwie ist die „heilige Gegend“ jedes Mal größer geworden...

Wirklich ist die Gegend voll von „prähistorischen“ Bauten: vier Hügelgräber, etliche Dolmen und Ganggräber. Alle in einem Gebiet von vielleicht 5 mal 5 Kilometern. Die nahe der Hauptstraße werden häufig besucht – was man vor allem an den Unmengen von Müll sieht, die dort herumliegen. Als ob es so schwer wäre, seinen Müll wieder mitzunehmen! (Damit meine ich auch die Aluhüllen von Teelichtern! Da nützt das schönste Bienenwachs-Teelicht nichts, wenn man mit der Aluschale die verärgert, die man mit dem Teelicht ehren will.) Ich habe es mir angewöhnt, immer ein bisschen mehr Müll wieder mitzunehmen, als ich selber mitgebracht habe. Nur artet das dann oft eher in eine Müllsammelaktion aus und vergällt einem schon etwas den Besuch von besonderen Orten – schon wenn man an ein Hünengrab kommt und die Hände voll Plastiktütenfetzen und Bierdosen hat, trägt das nicht gerade zur „Sammlung“ bei (der Gedanken, nicht des Mülls natürlich).


Bild: Ganggrab auf Bornholm © Distelfliege 2003

Zurück zu meinem „Solsbury Hill“, dem „Goldberg“. Wie der Name schon sagt, haben die Leute unter diesen Hügeln Schätze vermutet, wie in Hünengräbern auch. Nicht ganz zu Unrecht, wenn man den Begriff „Schatz“ etwas weiter fasst. Leider sind die Grabbeigaben aus den Hünengräbern dadurch verschwunden. Bei so einem Hügelgrab ist das Graben dann doch schon schwieriger. Trotzdem gabs viele Versuche, wovon die Löcher auf dem Goldberg zeugen. Und trotz dieser Löcher ist es eigenartig mit diesem „Berg“. So als könnte ihn nichts wirklich erschüttern. Als wäre einfach richtig, wie es ist. Zur Zeit ist der Berg mit bis etwa 100-jährigen Bäumen und Sträuchern bewachsen. Aber man hat das Gefühl, er könnte völlig kahl sein – er wäre immer noch ehrfurchtgebietend.


Die „Nordgruppe“

Etwa zwei Kilometer weiter liegt die „Nordgruppe“ der dortigen Hünengräber und ergibt ein völlig anderes Bild. Während die Südgruppe von Wirtschaftswald umgeben ist („Forst Everstorf“) und die Anwesenheit von menschlicher Aktivität ständig spürbar, ist die Nordgruppe einfach „da“. Gut, der westlichste, zerstörte Dolmen liegt auch in einer Fichtenanpflanzung, aber da die Fichten schon etliche -zig Jahre alt sind, tragen sie eher noch zur guten Atmosphäre bei. Hier kommt nur der vorbei, der hier hin will, der die Atmosphäre genießen will, die Gräber oder einfach nur den Wald. Hier habe ich auf dem „Dach“ eines Dolmen ein vertrocknetes Sträußchen Buschwindröschen gefunden und ein Räucherstäbchen. Natürlich kam ich nicht umhin, es wieder anzuzünden...


Die „Südgruppe“

Sie liegt größtenteils links der Straße Wismar-Lübeck Richtung Grevesmühlen bzw. Lübeck. Wie schon gesagt, viel stärker frequentiert als die Nordgruppe, viel Müll, viel Vandalismus: zerbrochene Schautafeln, „Graffiti“ auf den Steinen... Eine der Tafeln war in frühstücksbrettchengroße Teile zerbrochen worden, was bei der Stärke der Plastiktafel ein ganz schönes Stück Arbeit ist! Wären dort nicht die Wildbienen gewesen – kleine, schwarze, grau behaarte Tierchen, die in die sonnenbeschienene Erde ihr Gänge gruben – wäre ich wohl baldigst wieder geflüchtet.



„Gedenksteine“ und Anderes

Ich war auch dies Mal nicht überall. Von den übrigen Hügelgräbern und anderem weiß ich nur von der Übersichtskarte am Parkplatz. Dort sind auch „Gedenksteine“ eingezeichnet, was auch immer die sein mögen. Einen „Gedenkstein“ habe ich dort vergeblich gesucht: die „Mordwange“ an der Straße, ein Stückchen weiter in Richtung Wismar. Mag sein, sie steht seit der Verbreiterung der Straße im „Schabbelhaus“, dem Heimatmuseum in Wismar. Ich habe sie vermisst: Trotz des Jahrtausende-Abstandes zwischen diesen „Denkmalen“ (Mordwangen wurden, soviel ich weiß, im Mittelalter errichtet an Stätten, wo ein Mord geschah) passte sie doch irgendwie dazu, mit ihrer „Trutzigkeit“ und dem leisen Schauer, den einen beim Betrachten beschleicht...


Wie kommt mensch dort hin?

Ganz einfach: Von Wismar Richtung Lübeck hinter Sternkrug rechts auf ein Parkplatzschild achten. Am Parkplatz nimmt man dann am Besten die Übersichtstafel in Augenschein. Die Südgruppe ist von dort schnell erwandert, auch bis zum Goldberg ist es nicht weit. Zur Nordgruppe ist es zum Glück etwas weiter ;)

Eine Mordwange gibt es noch an der Straße Wismar-Gadebusch, links vor dem Abzweig nach Saunstorf. Aber das ist eine ganz andere Geschichte...

© Jokerman Mai 2004
Haus der Naturpflege Bad Freienwalde

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