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Bornholm: Slotslyngen und Hammerknuden

Die dänische Insel Bornholm ist ein Naturwunder auf kleinem Raum. Zur Hälfte aus Granit, zur anderen Hälfte aus Sandstein, ist sie ein Mekka für GeologInnen. Ich war dort im Frühsommer 2003 und habe zwei Wochen lang die Insel mit dem Rad "erfahren".

Hier geht es um die Nordostspitze der Insel, ein riesiger Granitklumpen, mit Wald und Hochheide bewachsen. "Hammer" heisst der lokale Granit. "Lyng" heisst "Heide".

   
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Ich steige über den Schafszaun, und wate durch Heidekraut, an Wacholdern vorbei, zwischen hellen, runden Granitfelsen, die von der Sonne warm sind. Kleine Eidechsen entwischen vor meinen Schuhen. Auf dem Rücken trage ich einen Beutel Proviant. Es geht bergauf, mein Ziel ist "Finnen's Top". Ich werde mich dort mit jemandem treffen. Ich habe hier irgendetwas zu tun, aber was? Behutsam suche ich den richtigen Weg an den Brombeeren vorbei. Zottelige, schwarze Schafe mit Lämmern sind über die Heide verstreut. Hier oben ist es windig, und ich finde unter drei Wacholdern im kurzen Gras einen Rastplatz. Jetzt warte ich.

Mein Essen - Pitabrot und Tomaten, und Marmelade, teile ich mit unsichtbaren Heidebewohnern. Keine Touristen auf dem Wanderpfad, und abgestorbene Bäume strecken silbern glänzende ausgewaschene Äste aus dem überall wuchernden Heidekraut.
Irgendwo habe ich meine Jacke verloren, also verstecke ich meinen Beutel unter den Wacholdern und gehe den ganzen verschlungenen Weg zurück. Als ich wieder oben bin, lass ich meinen Kram gleich im Lager und steige ins Ege-Tal, das ist eine Senke zwischen zwei Felswänden, wo es windgeschützt ist, und wo die Schafe gern herumliegen. Ich setze mich auf die eine Seite des Tals, oben auf die Granitfelsen und übe mich im Schafe hüten. Ich betreue die umliegenden Heidegebiete, mache den Rundgang über die Weiden. Als Hirte muss man sein Essen mit den Heidegeistern teilen. Sonst lassen sie einen ewig hinter verirrten Schafen herrennen. Das Meer ist heute ruhig.

Als ich das erste Mal hier war, auf den Felshügeln mit der Heide, hatte ich ein Gefühl von Nach-Hause-Kommen. Geschichten tauchten auf in der Fantasie, von einem geheimen Ort, den man nur zu Fuß erreicht. Irgendwo hier ist er. Beim Wandern stelle ich mir vor, wie ich gleichzeitig zu diesem Ort komme und schon dort bin.

Aus der Ferne kann ich die zerfallene Burg Hammershus sehen. Ich mache mich auf den Weg zu den anderen Heidegebieten in der Nähe. Die Fahrt hoch zum Leuchtturm "Hammer Fyr" ist schweisstreibend, die letzten Meter schiebe ich das Fahrrad, und gehe vorbei an den Touristen, auf Schafs-Trampelpfaden weit weg von Wanderwegen durch Wäldchen runter zur Felsenküste. Unterwegs finde ich ein Stück Vlies, ganz weich und von Wind und Wetter schon vorgewaschen. Ich packe die Schafswolle in meinen Beutel, zuhause werde ich daraus Filz machen, und aus dem Filz.. für einen Hut reicht es wohl nicht.

Auf den Felskuppen geht ein scharfer Wind. Leg dich flach auf den Bauch, und er pfeift über dich hinweg, ohne dich anzugreifen. Ausserdem kannst du so die Wandertouristen bestaunen, wie ein Geist aus einer anderen Welt, du siehst sie, aber sie sehen dich nicht. Heilige Quellen entsprangen hier, eine davon ist ausgetrocknet. Als sie noch Wasser führte, haben Wissenschaftler sie untersucht, sie enthielt heilsames Radium. Die Felsen sind mit Zeichen eingeritzt worden, von denen die meisten heute verblasst und verwittert sind. Aber die Steine reden.


Felszeichnung

Die Steine reden von einer Landschaft, die wild und unfruchtbar ist, wo keiner die Erde pflügt. Von einer Landschaft wo die Menschen auf der Erde tanzen. Tanzen und heilige Zeichen in die Felsen ritzen, und nach einigen Tagen wieder zurückwandern, zu ihren Hütten.

Heute zählt das nicht mehr ganz, heute haben die Menschen einen Pflug erfunden, der Granit pflügen kann. Er heisst Dynamit. Der explosive Zahn hat sich durch die heiligen Felsen gebissen, und hier und da ein kleines Stück herausgebissen. Manchmal war der Granit nicht schmackhaft genug, von zu niederer Qualität, und an anderen Stellen war er so gut, daß riesige Steinbrüche entstanden sind, an deren senkrechten Felswänden die Greifvögel jagen. Die Steinbrüche haben viele der alten Felszeichnungen aufgefressen. Anfangs kamen Deutsche und bauten Granit ab, später waren's Dänen und verschönerten Kopenhagen mit dem guten Zeug und warfen das minder gute als Schotter auf die Waldwege.

Die Tänzer sind fort, die Raupenschlepper kursieren in den Steinbrüchen von Vang und hinter Hammershus in der einen Hälfte der Felshügel, und die andere Hälfte des Gebiets steht unter dem Naturschutz des dänischen Staats, dort suchen die Touristen ein paar Tage Erholung. Und irgendwo dazwischen - spirituelle Landstreicher, Spurenfinderinnen, imaginäre Schafhirten und Bewohner von Zeltdörfern, die es nur für die Zeit der Feste gibt, und auch dann nur in der unsichtbaren Welt, so ähnlich wie die Ritterturniere, erfunden von Kindern, die auf Burgruinen herumklettern und sich zurückversetzen in die Zeit von Fürst Ragomar, dem Raubritter von Schwarzenstein *gg*

Das war's erstmal von den Ringhügeln, der Felsküste, den Schafs-Trampelpfaden.
Weiter geht's zu den Heiligtums-Klippen.. wenn ich Zeit habe ;)

Distelfliege, 13. August 2003

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