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Baraka

"Diejenigen, die Baraka nicht spüren können, wissen nichts vom Schmeichel der Welt"
Hakim Bey

Baraka ist ein arabisches Wort, man sagt, ein uraltes Sufi-Wort. Es bedeutet "Segen" oder "Segenskraft" - in etwa so wie das polynesische "Mana".
Baraka ist die lebendige Essenz die in allen Dingen fliesst, ihr Geist, das was dich berührt, Schönheit?
Hakim Bey schreibt in "Jenseits des Tourismus zu den Pforten der Wahrnehmung":

Der umherziehende Derwisch, der direkt neben einem Heiligtum übernachtet, um von einem toten Heiligen zu träumen (von einem der "Bewohner der Gruft"), sucht Initiation oder Fortschritte auf seinem spirituellen Weg; eine Mutter, die ihr krankes Kind nach Lourdes bringt, sucht Heilung; eine kinderlose Marokkanerin hofft, daß der Marabut sie fruchtbar machen werde, wenn sie einen Stoffetzen an den alten Baum knotet, der aus seinem Grab wächst; der Mekka-Reisende sehnt sich nach dem buchstäblichen Zentrum seines Glaubens, und wenn die Karawanen die Heilige Stadt am Horizont auftauchen sehen, dann ruft der hajji ein lautes Labbaka Allahumma! (Da bin ich, oh Herr!)

All diese Motive stecken in dem Wort Baraka, das einem gelegentlich wie eine konkrete Substanz vorkommt, die sich in Form von gr ßerem Charisma oder "Glück" manifestiert. Das Heiligtum produziert Baraka. Und der Pilger nimmt es mit.


Rassel im Wald - Berlin - Foto: Distel

Deswegen schreibe ich einen Text über Baraka für die Kraftorte-Seite. Weil für mich ist es Baraka, die Kraft, die einen Ort zu etwas Besonderem macht. Es sind keine Erdstrahlen oder etwas, das du messen kannst. Es gibt kein Gerät, das Baraka messen kann. Wären es allein die Strahlen, die es ausmachen, wäre eine Mikrowelle der Kraftort per se.. ein heiliger Schrein. Es gibt auch Orte, die unangenehm strahlen. Es gibt auch Kraftorte, die überhaupt nicht strahlen (naja, vielleicht, ich messe diese Dinge nicht).

Aber Baraka kann man nicht messen. Baraka ist etwas geteiltes, was man teilt, und nur im mit-teilen existiert es. Segen macht keinen Sinn ohne Austausch. Es ist vielleicht vergleichbar mit Liebe, auch wenn's jetzt kitschig klingt. Es ist die Schönheit in den hellgrünen Nadeln der Lerche, in ihrer rötlichen Rinde, es ist der Segen der von ihr ausgeht. Auch von mir geht Segen aus, zumindest manchmal, kommt drauf an wie ich drauf bin. Und von Menschen die in Kontakt sind mit.. Heiligem? Menschen die Kunst schaffen, oder einen magischen Moment erleben, die ein Fest feiern oder ein Ritual, die verbunden sind mit dem Ursprung oder ganz bei sich, teilen Baraka.

Sicher ist meine Auffassung davon unterschiedlich wie die islamischer Gelehrter, ich habe von einem Film intuitiv gelernt, was Baraka ist. Nämlich vom gleichnamigen Film "Baraka". Weil in diesem Film kein Wort gesprochen wird, verstehe ich Baraka mit Bildern, intuitiv.


Bild vom Cover des Films "Baraka"

Und da ist mir aufgefallen, daß es dies ist, was Kraftorte zu solchen macht. Und wieso ich immer eine Abneigung gegen die Ausmesserei habe, objektive Daten erheben, ob ein Ort Kraft hat. Gerade weil Baraka auch von Menschen kommt, oder auch von allem Lebendigen, kann einem Ort die Kraft durch Menschen verliehen worden sein, oder durch Tiere, oder durch Pflanzen, durch Steine.. oder nur durch mich.

Baraka als "imaginär" zu bezeichnen, bedeutet nicht, es als "unwirklich" abzuqualifizieren. Für diejenigen, die Baraka empfinden, ist es durchaus wirklich. Aber geistige Güter gehorchen nicht, so wie materielle Güter, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Je größer die Nachfrage nach geistigen Gütern, desto größer das Angebot. Der Produktion von Baraka sind keinerlei Grenzen gesetzt. (wieder Hakim Bey)

Hakim Bey stellt Pilger und Touristen gegenüber. Touristen wollen das Malerische konsumieren, und erhalten doch nichts weiter als Bilder, platte Abziehbilder. Die Kunst des Reisens ist der Austausch - PilgerInnen. Aus dem Alltag heraus, suchst du die Initation, veränderst dich, teilst etwas. Durch dich ensteht Baraka, durch dich und die Orte die du findest.

Wie viele von uns finden einen Ort, können dort die Baraka ganz klar spüren, vielleicht werden in ihnen alte Verletzungen weich, vielleicht fühlen sie sich nur begrüsst oder finden einen Ort der Ruhe zum Nachdenken, dann gehen sie nach Hause und fragen sich, ob ihr Erleben Relevanz und Kraft hatte, sie fragen sich ernsthaft ob der Ort nun wirklich ein Kraftort ist. Sie fragen sich, ob die Zeiger von Meßgeräten ausschlagen würden, ob die Bäume "richtig gewachsen" sind um Erdstrahlen anzuzeigen, sie fragen sich und damit denken sie ihr Erlebnis immer kleiner und vielleicht verlieren sie das Vertrauen in ihre natürliche Fähigkeit, Baraka zu spüren. Wenn du einen Kraftort hast, und jemand anders dort kein Baraka spürt, liegt es dann an dir, daß du dir das dummerweise nur eingebildet hast, oder an dem anderen Menschen, der sich vielleicht nicht genug drauf eingelassen hat? Ist es denn relevant? Zählt nicht vielmehr dein Erleben? Es ist doch dein Erleben das deine Wirklichkeit gestaltet hat, du hast Baraka gespürt, es war wirklich = es wirkt.

Nach Ansicht des Koran ist Gottes große Erde und alles auf ihr "heilig" ... nicht bloß als Schöpfung Gottes, sondern weil die materielle Welt voller "Wegmarken" oder Zeichen der göttlichen Wirklichkeit ist. (Hakim Bey)

Jede Traumzeit-Geschichte gehört zu einem Ort, an dem sie geschieht. Jeder Kreis von Geschichten zeichnet einen Pfad über das Land der diese Orte verbindet, und die Mythen die dazu gehören. Diese Traumpfade, die Songlines, erstrecken sich in alle Richtungen, und überziehen den ganzen Kontinent von Australien. Keine Gruppe von Leuten besitzt einen Traumpfad alleine, sondern nur Stücke davon, so werden die Songlines zu einem Netzwerk der Kommunikation über riesige Entfernungen. (Dazu auch toll zu lesen: Bruce Chatwin, The Songlines)

Baraka beschreiben manche als das Heilige eines Ortes, die Songlines, die Wegmarken der göttlichen Wirklichkeit, oder, um noch ein Beispiel zu nennen, die Erde als Körper der Göttin. Es ist auch egal, in welchem Zusammenhang von Religion oder spirituellem Weltbild ich das Ganze beschreibe. Es ist auch möglich, gar keine Religion zu haben oder an keine höhere Macht zu glauben, Baraka ist daran nicht gebunden.

Baraka ist der Zauber in einem alten Lied, das drei korsische Frauen singen
Baraka ist im Fluss, der an Zementfabriken vorbeifliesst.
Meine Haut atmet Baraka, sie atmet es ein und aus.

Verwunderlich daß wir in unserer Sprache kein Wort für Baraka haben. Kraft, Segen, das Heilige, Lebenskraft, Heilkraft..
Das Fazit dieses Textes ist: Die Erde ist heilend/heilig, voll von Baraka. Wo für dich Baraka liegt, kann dir kein Meßgerät sagen. Baraka kannst du nur mit dem Herz/der Seele spüren, und dann ist es Realität. Dieser Text stellt eine Ermutigung dar, bei der Suche nach Kraftorten, innerer Verwandlung und Heilung, den eigenen Sinnen zu vertrauen. Eine Ermutigung sich unabhängig zu machen von den Vorschriften, was einen Kraftort auszeichnet, hin zur Selbsteinweihung auf dem Weg der Reisenden auf den Songlines, auf den Kraft-Wegen und zu den Kraft-Orten der Erde und deines Hinterlandes.


Rosettenfenster, Berlin - Foto: Distel

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