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Ainos Hütte

Ein Kraftplatz in Trier

Im Osten des Trierer Stadtzentrums erhebt sich am Rande des Tales der Petrisberg auf etwa 250 m. Sein Bild von der Stadt aus ist geprägt von den mit Wein bewachsenen Hängen und dem Wald, der sich über den ganzen Bergrücken erstreckt. Aus dem Wald heraus ragen ein Wasserturm und, besonders markant, der Sendeturm des ZDF.

In diesem Wald, ganz in der Nähe des Fernsehturms, befindet sich eine kleine Erhebung mit einem Sockeldurchmesser von ca. 70 m. In einer Höhe von etwa 4 m ist dieser Hügel durch ein Plateau von ca. 20 m Durchmesser abgeflacht. Der Trierer Volksmund nennt den Hügel “Franzens Knüppchen“, weil hier anno dunnemals ein gewisser Franz von Sickingen bei der Belagerung von Trier eine Kanone aufgestellt haben soll, um damit die Stadt zu beschießen.

Man erzählt auch, dass dies ein Hexentanzplatz gewesen sei. Gemessen an den leeren Bierdosen und sonstigen Rückständen, die man hier immer wieder Müllsäcke füllend aufsammeln kann, finden an diesem Ort heute allerdings gewiss ganz andere Tänze statt. Es gibt aber auch hin und wieder Spuren von Menschen, welche die Würde dieses Platzes erkannt haben mögen oder zumindest erahnen.

Mir hat sich dieser Ort zunächst als geobiologischen Kraftplatz zu erkennen gegeben. Verteilt um den Rand des Plateaus stehen fünf alte Bäume, zwei Buchen und drei Ahorn, wobei die Buchen, beide über 20 m hoch, wohl älter sind. Die Lebensenergiefelder dieser Bäume überlappen in der Mitte des Platzes und schaffen dort einen Raum, wie man ihn nur selten spürt. Diese vierdimensionale, energetische Präsenz kann man fast mit den Händen greifen. 1

Während einer meiner dortigen Meditationen erzählte mir der Platz seine Geschichte, wonach es sich bei ihm auch um eine geosophischen Kraftort handelt. Allerdings, eine Kanone hatte dort oben nie gestanden. Diese - es waren mehrere - wurde damals weiter südlich auf dem Berg in Stellung gebracht, etwa dort, wo sich heute das Hotel Petrisberg befindet.

Die Historie, die diesen Platz zum geosophischen Kraftort gemacht hatte, liegt viel weiter zurück, und zwar als die ersten römischen Legionen ins Trierer Land kamen. Damals siedelte auf der Hochfläche hinter dem Petrisberg, dort wo sich heute die Universität befindet, ein keltischer Stamm der Treverer. Ihr Fisch- und Jagdgrund war das Tal, wo sich heute die Stadt befindet, damals bewachsen mit Auwald und von Sümpfen durchzogen.

Auf der Höhe des heutigen Petrisberges, genau dort, wo sich das “Franzens Knüppchen“ befindet, zwischen Siedlung und Moseltal, stand eine Hütte, in der eine Schamanin mit Namen Aino wohnte. Sie war vor langer Zeit von weit her aus dem Land der Helveterier gekommen und zählte nicht zu dem Stamm. Ihre Weisheit und Kenntnis der Heilkunst wurde aber gerne von fast allen dort lebenden Menschen in Anspruch genommen. Sie übte starken moralischen Einfluss, insbesondere auch auf den Stammesfürsten, aus.

Als die ersten römischen Soldaten im Tal auftauchten, kam im Stamm die existentielle Frage auf: “Solle mer se roilasse, oder werfen wir uns ihnen heroisch entgegen?“. Aino stellte sich unmissverständlich auf die Seite der leider in der Minderzahl befindlichen Friedfertigen. Sie kannte die Römer bereits und riet aus Erfahrung, sich mit ihnen zu arrangieren. Dies brächte sogar Vorteile für den Stamm, da er dann mit den Römern Handel treiben könne. Die Römer würden viele nützliche Dinge mitbringen und hätten beachtliches Wissen auf allerlei Gebieten, welches ihnen dann auch zugute käme. Sie seien zwar Eroberer, aber keine tyrannischen Unterdrücker und würden die Treverer in Ruhe lassen, auch in Sachen Religion. Ihnen sich allerdings in einem Kampf entgegenzustellen, sei völlig aussichtslos und selbstzerstörerisch.

Ainos Einfluss auf den Stammesfürsten hätte fast den Frieden bewahrt, aber ein missgünstiger Druide beschuldigte sie, eine Spionin der Römer zu sein und hetzte die kriegslüsternen Horden des Stammes gegen sie auf. Die Unvernunft gewann die Überhand. Eines Nachts stürmte eine Rotte fanatisierter Krieger zu der Hütte tötete Aino und steckte die Hütte, mit ihrer Leiche darin, in Brand.

Der Stammesfürst, inzwischen selbst von Kampfeslust übermannt, zog mit seiner Kriegsschar gegen eine römische Legion. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit der Treverer gewannen die Römer die Schlacht schon nach wenigen Stunden. Bei dem Kampf kamen viele Männer und auch Frauen ums Leben. Dem gefallenen Oberhaupt wurde ein Hügelgrab errichtet, genau an der Stelle, an der Ainos Hütte stand. Dies war sein letzter Wunsch, als er schwer verwundet auf dem Sterbelager lag.

Noch viele Generationen pilgerten die Treverer, ebenso Angehörige anderer Keltenstämmen, zum Grabhügel auf dem Berg, aber nicht um dem toten Stammesfürsten zu huldigen, sondern um die Stelle zu besuchen, an der Ainos Hütte stand. Man hatte erkannt, wie richtig ihr Ratschlag war und überall wurden Geschichten über ihre Weisheit und Heilkunst erzählt. Die Römer waren nicht nachtragend und räumten den Einheimischen weitgehende Autonomie ein. Der Wohlstand der Treverer wuchs stetig. Später bauten die Römer im Tal die Stadt Augusta Treverorum, vermutlich die älteste Stadt Deutschlands.

Deshalb nenne ich diesen Kraftplatz Ainos Hütte, obwohl dort keine Hütte, sondern ein Hügel steht. Archäologen werden im Innern des Grabhügels nichts mehr finden, denn im Mittelalter hatten hier Grabräuber gründlich aufgeräumt. Würde man allerdings bis zur Sohle des Hügels vorgehen, könnte man heute noch die Brandschicht von Ainos Hütte feststellen und vielleicht sogar den einen oder anderen Gegenstand von ihr finden. Es ist aber sicherlich für den Ort würdiger, wenn dies niemand tut.

Für mich ist dieser Platz auch ein ganz persönlicher Kraftort. Er befindet sich nur 10 Minuten zu Fuß von dem Haus, in dem ich über 20 Jahre gewohnt hatte. Ich habe an dieser Stelle schon einige Stunden in Meditation verbracht.

Wer sich für Ainos Hütte interessiert, kann diesen Kraftplatz problemlos besuchen. Man geht von der Constantin Basilika aus durch die Mustorstraße in Richtung Petrisberg, durch Gartenfeld- und Kronprinzen- nach links in die Kurfürstenstraße. Dann, noch ein kleines Stückchen, nach rechts unter dem steinernen Torbogen hindurch, dem Kreuzweg folgend den Berg hinauf. Oben, in Höhe der Kapelle um 90 Grad nach rechts in den Wald. Nach etwa 50 Katzensprüngen stößt man genau auf Ainos Hütte.


Text von PanGaia - vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier zu veröffentlichen.

1: Die im Text verwendeten Begriffe möchte ich hier nicht erklären, Richard hat diesen Text geschrieben und auf seiner Homepage findet ihr sie erklärt. Die Begriffe und Theorien entsprechen nicht unbedingt unserer Meinung, aber diese Kraftorte - Seite ist eine Sammlung und damit stammen die Texte auch von Leuten mit unterschiedlichen Sichtweisen :-)

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